Connect with us

Storys

„Bekloppte wie mich muss es geben“ – Ludwig Kiefer im Portrait

Denkt man in Norddeutschland an Triathlon, dann denkt man automatisch auch an Ludwig Kiefer, der zunächst als Athlet aktiv war, dann auf Verbandsseite wechselte und heute eine erfolgreiche Agentur leitet.

Published

on

Ludwig Kiefer feiert in diesem Jahr "15 Jahre Triple Events". Foto: Jensen

Wenn das Hobby zum Beruf wird

von Dierk Jensen

Er ist ein Tausendsassa. Und er ist ein Pionier des Triathlons in Norddeutschland, ja, wenn nicht sogar ganz Deutschlands. Die Rede ist von Ludwig Kiefer, der Mann hinter der Agentur Triple Events GbR, die den Stadtwerke Flensburg Lauf, den Campus Triathlon, den Wanderup-Triathlon und den Silvesterlauf Oeversee veranstaltet. Er prägt die Ausdauersport- bzw. Triathlon-Szene seit vielen Jahrzehnten, zuerst als Sportler, später und heute als umtriebiger Veranstalter.

Im Alter von 31 Jahren hat er seinen ersten Triathlon absolviert. Das war in Ladelund, im Jahr 1985. Das ist zwar schon lange her, aber er weiß noch ganz genau, als wäre es erst gestern gewesen, dass er die Fahrradstrecke mit seinem alten Jugendrennrad meisterte und von dem er kurz vor dem Wettkampf noch Gepäckträger und Lampe abmontierte.
Damals war er Zeitsoldat. Genauer gesagt erhielt er beim Marinefliegergeschwader II in Tarp eine Fotografenausbildung und war danach fortan mit der fotografischen Auswertung von Luftbildern beauftragt. Nach der Weiterbildung zum Fotografenmeister übernahm er die Ausbildung von länger dienenden Soldaten zum Fotografen. Weilten die „ Lehrlinge“ beim Blockuntericht an der Berufsschule in Kiel, nutzte Ludwig Kiefer die Zeit zum ausgedienten Dienstsport. Der auch schon mal ganz, ganz lange Radeinheiten durch die Landschaft Angelns vorsah.

Feuer und Flamme für den Triathlonsport

Die vermeintlich typische Figur eines Ausdauersportlers hatte Kiefer schon damals nicht. Mit einem satten Gewicht von 100 Kilogramm startete er seine Triathlon-Karriere, trainierte sich diese aber eisern auf 70 Kilogramm bei einer Körperlänge von 1,68 Meter herunter. Zudem nahm das Trainingspensum stetig zu, sein persönliches Feuer für diesen Sport war nicht mehr zu löschen. Und so robbte er sich peu à peu an die großen Distanzen heran. Ende der achtziger Jahre gründete er im damaligen Rad Sport Club Oeversee eine Triathlonsparte aus der später der Verein TriAs Flensburg hervorging und organisierte erste Ausdauer-Veranstaltungen wie 1989 den Duathlon in Tarp. Im gleichen Jahr absolvierte er in Holland schließlich seine erste Mitteldistanz, „ohne Neo, das ging gar nicht“.


Erfolgreich in Roth teilgenommen
Mitte der 90er Jahre verließ Ludwig Kiefer mit gerade mal 42 Jahre die Bundeswehr. Neben der Selbständigkeit als Fotograf trainierte er drei bis vier Stunden täglich und hatte den Ironman in Roth fest im Visier; dreimal ging er dort beim Mekka des deutschen Triathlons an den Start. „Beim ersten 1995 musste ich nach zehn Kilometer Laufen aussteigen, es ging nichts mehr bei über 30 Grad Hitze“, erinnert sich Ludwig beim Gespräch vor seinem Haus in Tarp. Doch Aufgeben ist nun seine Sache wirklich nicht. So ging er, nachdem er 1997 das Langstrecken Radrennen über 540 km von Trondheim nach Oslo gefinisht hatte, 1998 und 1999 noch mal in Roth an den Start und beendete die Langdistanz erfolgreich.

 

Ludwig Kiefer 1992 als Teilnehmer bei der deutschen Tritahlonmeisterschaft in Losheim. Foto: Privat

„Bekloppte wie mich muss es geben, sonst wäre der Triathlonsport nicht am Ende da wo er heute ist“

Damit hatte er seinen sportlichen Zenit erreicht. Langsam fuhr er danach sein Training herunter und wirft sich stattdessen mit Elan in die Organisation von Ausdauersport-Events und auch in die Verbandsarbeit der Schleswig Holsteinischen Triathlon-Union (SHTU) hinein. Ab 1999 ist er Vizepräsident der SHTU und übt dieses Amt zehn Jahre lang aus. In dieser Zeit hat er auch die Deutsche Junioren-Meisterschaft mit EU-Qualifikation nach Schleswig-Holstein geholt. „Es gibt in der deutschen Triathlon-Szene wohl keine einzige Sache, in der ich nicht meine Finger hineingesteckt habe“, sagt er mit einem schelmischen Lächeln und fügt selbstironisch hinzu: „Bekloppte wie mich muss es geben, sonst wäre der Triathlonsport nicht am Ende da wo er heute ist“

Nach der Durchführung von zwei Deutsche Meisterschaften im Cross-Triathlon in Clausthal-Zellerfeld, dem Deutschland Cup mit Europameisterschaft Qualifikation in Flensburg und als Moderator bei der Deutschen Meisterschaft Sprint-Elite 2012 in Witten hat sich Kiefer wieder mehr in den Norden mit seinen Aktivitäten konzentriert.

15 Jahre Triple Events GbR

Dort sind es inzwischen der VR Bank Silvesterlauf in Oeversee, der Triathlon Wanderup und im Frühjahr der Flensburger Stadtwerke Lauf und der Campus-Triathlon in Flensburg.
Besonders der Campus-Triathlon, den er vor einigen Jahren aus der Taufe hob mit Sperrung der Bundesstrasse B199 war ein schweres Stück Überzeugungsarbeit. Doch dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Flensburg, dem Technischen Betriebs-Zentrum, dem LBV-SH der Polizei, der Europa Universität, der Hochschule, den Flensburger Stadtwerke sowie vielen anderen Institutionen findet in diesem Jahr bereits die fünfte Veranstaltung statt. Heute ist es eine nicht mehr wegzudenkende Sportveranstaltung in Flensburg. Das braucht professionelle Begleitung, die Kiefer mit seiner Agentur Triple Events GbR leistet.

Seine Agentur gründete er schon vor 15 Jahren. Nicht zuletzt auch aus den Erfahrungen vieler Veranstaltungen heraus, die er vor 2004 organisierte. Denn wer heute eine große Sportveranstaltung auf den Weg bringen will, muss einen enormen organisatorischen und personellen Aufwand bewältigen, der in vielen Fällen durch ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr abgedeckt werden kann. Der Aufwand ist daher eigentlich nur noch über professionelles Sponsoring zu stemmen. Das weiß letztlich keiner besser als Kiefer, der im Übrigen eine Veränderung im Triathlon wahrnimmt. „Es ist nicht mehr das gefühlte Abenteuer von früher, Triathlon ist inzwischen Volkssport geworden“, sagt der dreifache Vater. Das Außergewöhnliche sei etwas abhandengekommen, was die Suche nach geeigneten Sponsoren für mittelgroße Veranstaltungen wie auch seinem Wanderup-Triathlon mit Start- und Zielort am Baggersee nicht einfacher mache. Zumal kleine Happenings für kleine Sponsoren interessant sind, während bei größeren Summen von großen Firmen auch das Event dementsprechend größer sein müsste. Zudem sei eine mittelgroße Veranstaltung immer eine Gratwanderung zwischen Breiten- und Spitzensport. „Zu klein für Top-Athleten, zu groß für Kult“, meint der gebürtige Saarländer, der in den siebziger Jahren nach Schleswig-Holstein kam, weil er eigentlich „ans Meer wollte“.

 

Nun ist er auf der Geest in Tarp gelandet. Auch nicht übel und so blickt er von dort aus gebannt auf das, was da kommen mag. Als nächste Großereignisse stehen der 9. Flensburger Stadtwerke Lauf und der der nächste Campus-Triathlon an. „Beim Lauf haben wir uns als Ziel gesetzt die 1000er Grenze an Anmeldungen zu knacken und beim Triathlon freuen wir uns, neben dem Wettkampf der Landesliga Schleswig-Holstein auch die Landesmeisterschaft Sprint-Triathlon durchführen zu dürfen. Vielleicht schaffen wir ja hier die 600er Anmeldegrenze.“ Kein Zweifel, der Thrill ist bei ihm trotz einiger Jahrzehnte Erfahrungen fast noch so da wie beim Abmontieren des Gepäcksträgers beim ersten Triathlon.


Dieser Artikel erschien in unserer Printausgabe März/April 2019




Advertisement

Beliebt