Das neue Trainerduo der Nordfrauen

Der Zusammenhalt ist am wichtigsten

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Malte Böhrnsen und Ex-Spielerin Milena Natusch übernehmen die Verantwortung beim TSV Nord Harrislee.

Nach einer 23:28 Heimniederlage gegen den Bundesligaabsteiger HL Buchholz 08-Rosengarten, war im DHB-Pokal schon in der zweiten Runde Endstation für den TSV Nord Harrislee. So können sich die Nordfrauen voll auf die Saison im Bundesligaunterhaus konzentrieren, bei dem Malte Böhrnsen und Milena Natusch ganz klar das Ziel „Klassenerhalt“ ausgeben.

Das Duo ist das neue Trainergespann beim TSV Nord Harrislee, das schon in jungen Jahren im Profihandball Verantwortung übernimmt. Denn der am 2. Dezember 1993 in Rendsburg geborene Malte Böhrnsen ist 28, die am 3. Oktober 1998 in Flensburg geborene Milena Natusch 24. Verletzungen, die ihre Handballkarrieren stoppten, zwangen beide zum frühzeitigen Wechsel auf die Trainerbank. Bei Malte Böhrnsen war es ein Bruch des rechten Armes, der auch sein Wurfarm ist. „An mir ist aber kein großer Handballer verloren gegangen“, so Böhrnsen mit einem Lachen, der sich ehrlich eingesteht, „dass es für Handball in der ersten, zweiten, oder dritten Liga nicht gereicht hätte.“

Die Sehnsucht im Griff

Natusch hingegen musste ihre Karriere nach einem ersten Kreuzbandriss 2020 und einem erlittenem Knorpelschaden 2021 im linken Knie abrupt beenden. „Ich habe das letzte Mal im Januar 2021 gespielt“, so Natusch. Beide haben die Sehnsucht, auf das Handballfeld zurückzukehren, aber im Griff. „Ich werfe ab und zu mal zwei, drei Bälle aufs Tor. Wenn es hochkommt, kann es auch zehnmal sein. Aber natürlich siegt die Vernunft, nicht mehr auf hohem Leistungsniveau zu spielen, denn meine Knie sollen mich ja ein Leben lang tragen“, so Milena Natusch, die bis zu ihrem schweren Verletzungen als Linksaußen bei den Nordfrauen Leistungsträgerin war. „Es kribbelt bei mir natürlich nicht mehr so, wie es bei Milena noch der Fall sein kann. Wenn ich überhaupt mal spielen sollte, dann „just for fun“ und nicht im Leistungsbereich. Ich habe also damit abgeschlossen“, so Malte Böhrnsen, der seine erfolgreichste Zeit in der Jugend der HSG Schülp/Westerrönfeld als Oberligavizemeister und bei den Senioren beim Büdelsdorfer TSV als Landesligameister und Aktiver in der SH-Liga hatte.

Eine ganz andere Sichtweise, die interessant und herausfordernd ist

So ist das Duo auch froh, dem Handball auf der anderen Seite des Spielfeldes erhalten zu bleiben. „Es ist eine ganz andere Sichtweise, die sehr interessant und herausfordernd ist“, so Natusch und Böhrnsen unisono. Für Milena Natusch hat sich dabei vor allem die Vielfalt bemerkbar gemacht. „Zum Beispiel beim Videostudium. Da habe ich mich früher mehr auf meine Gegenspielerin auf der Außenposition und die Torhüterinnen konzentriert. Nun muss ich unsere Spielerinnen mehr auf die Gegner vorbereiten und dabei selbst auf Angriff, Abwehr, Rückraum und den Kreis gucken. Auch die Gedanken in der Trainings- und Spielvorbereitung während der Woche sind sehr hoch. Das hätte ich vorher nicht gedacht“, so Natusch mit einem Lachen. Auch Malte Böhrnsen hat Respekt, vor dem „anderen Blickwinkel“ und große Einsicht. „Jetzt weiß ich erst, was viele Trainer früher selbst von einem gefordert haben. Da habe ich nun ein großes Verständnis. Dass es im Leistungssport oftmals nicht um sogenannte Einzelschicksale geht, weiß man. Aber ich will ein menschlicher Trainer sein, denn gerade die Probleme einzelner Menschen und so auch von Spielerinnen und Spielern sind wichtig und begleiten eine ganze Mannschaft“, so Böhrnsen, der als Trainer über den Tellerrand schaut. Dies ist beim gesamten Trainerduo so.

Dankbar für die Chance

Beruflich ist Milena Natusch in der Ausbildung zum Büromanagement bei der in Flensburg ansässigen Firma Orion, Malte Böhrnsen bei der Sparkasse Mittelholstein in Rendsburg im dortigen Businesscenter als Kundenberater. Und der Blick über den Tellerrand geht bei beiden auch für ihre Mannschaft weiter. „Der Klassenerhalt und die Weiterentwicklung der Mannschaft ist am Wichtigsten“, so beide unisono. Auch die persönliche Entwicklung tut beiden gut. „Ich will in meine neue Rolle hineinwachsen“, so Natusch. Und Böhrnsen sagte schon vor Saisonbeginn, „dass ich dem TSV Nord Harrislee sehr dankbar bin, dass sie mir diese Chance gegeben haben in der 2. Bundesliga Trainer zu sein.“ So sollen die Ziele erreicht werden, wobei die Mannschaft ein großes Kollektiv-Lob bekommt. „Die Nordfrauen sind bekannt dafür, dass sie trotz aller Probleme, zum Beispiel ob viele Verletzte oder auch auf dem Spielfeld, niemals aufgeben. Das ist wirklich ihr Markenzeichen“, so Malte Böhrnsen, der den „Zusammenhalt“ der Nordfrauen adelt. „Sie unternehmen auch außerhalb des Handballspielfeldes sehr viel miteinander.“

“Wir sind wie eine Familie”

Milena Natusch, seit ihrem ersten Jahr im Frauenbereich beim TSV Nord Harrislee dabei, lebt diese Eigenschaften weiter mit und freut sich, „dass ich weiter mit meinen Freundinnen beim Handball zusammen sein kann.“ Und sie stellt die Tugenden beim Zweitligisten heraus. „Der Zusammenhalt ist wirklich das Wichtigste. Wir sind wie eine Familie. Jede steht für die andere ein. Alle unternehmen auch außerhalb des Platzes sehr viel miteinander“, so Milena Natusch, die dann auch einen flammenden Appell für diese Gemeinschaft auf dem Niveau des Profihandballs nach Außen sendet. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen und Zuschauer für Frauenhandball interessieren. Vor allem in unserer Region. Die Mannschaft investiert privat so viel. Ihnen zu Ehren hoffe ich, dass sie noch mehr unterstützt und wahrgenommen wird. Auch schon für die Kleinen, die vier- bis fünfjährigen Mädchen ist das wichtig, um auch sie noch mehr dafür zu begeistern, denn unsere Mannschaft leistet nicht nur sportlich, sondern auch menschlich außergewöhnliches. Das müsste noch mehr zelebriert werden“, so Milena Natusch. Und Malte Böhrnsen bringt es auf den Punkt. „Für den Unterschied zwischen Aufwand und Ertrag, den die Mannschaft für die 2. Bundesliga der Frauen leistet, würde kein Mann in der Schleswig-Holstein Liga, geschweige denn in der Oberliga spielen.“ (jös)


Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Printausgabe 30 | November 2022
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