5 Fragen an

Finn Jonah Dettmer: Der Verlauf einer Partie ist nie vorhersehbar

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Aus unserer Rubrik: 5 Fragen an…
Finn Jonah Dettmer (17), Verbandsschiedsrichter beim SHFV.

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Wie kam es dazu, dass du Schiedsrichter wurdest?

Seit Februar 2020 bin ich offiziell als Schiedsrichter aktiv. Das Interesse dazu kam, als mein Verein SV Adelby bekannt gab, dass sie auf der Suche nach neuen Schiedsrichtern sind. Diese Ankündigung weckte mein Interesse, und so entschloss ich mich dazu, es einfach einmal auszuprobieren. Mit 12 Jahren wagte ich meinen Einstieg, indem ich begann, Spiele innerhalb des Vereins zu leiten.
Diese Tätigkeit entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer immer größer werdenden Freude für mich, weshalb ich den Entschluss fasste, mit 13 Jahren am Anwärterlehrgang teilzunehmen.
Besonders reizt mich an der Schiedsrichtertätigkeit die ständige Herausforderung, vor die mich jedes einzelne Spiel stellt. Der Verlauf einer Partie ist nie vorhersehbar, und genau das macht es äußerst spannend. Darüber hinaus erfahre ich durch die Schiedsrichtertätigkeit eine deutliche Stärkung meiner Persönlichkeit, nicht nur auf dem Spielfeld. Ich habe mich in meiner Art und Weise der Kommunikation deutlich gesteigert und es bringt mir für den Alltag sehr viel. Es erfordert ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein, und ich habe durch diese Aufgabe auch viele neue Menschen kennengelernt, aus denen sich wertvolle Freundschaften entwickelt haben.

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Gibt es Ziele, die du als Schiedsrichter noch erreichen möchtest?
Wie kann man in der Karriereleiter hochklettern?
Als Schiedsrichter bin ich aktuell in der Landesliga Herren unterwegs und habe außerdem die Chance, in einem NFV-Zusatzkader Spiele der A-Jugend Regionalliga zu leiten. Mit meinen 17 Jahren bin ich mit Abstand der jüngste Schiedsrichter in der Klasse. Auch wenn der Traum, es bis in den Profifußball zu schaffen, immer im Hinterkopf ist, setze ich mir momentan realistischere Ziele, wie die Flens-Oberliga. Die Herren Oberliga stellt für mich einen wichtigen Schritt dar, und wenn dieses Ziel erreicht ist, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das Erreichen der Oberliga bedeutet nicht nur sportlichen Erfolg, sondern ermöglicht auch eine intensive persönliche Weiterentwicklung. Für mich steht die kontinuierliche Verbesserung im Mittelpunkt, unabhängig von der Liga, in der ich tätig bin. Um in den verschiedenen Leistungsklassen aufzusteigen, ist das Aufstiegssystem klar strukturiert. Die Leistungsklasse 1 (Lk1) ist die höchste Spielklasse in Schleswig-Holstein, also die Flens-Oberliga. Darunter kommen die Lk2, die Landesliga, in der ich derzeit aktiv bin, und die Lk3, die Verbandsliga. Jede dieser Leistungsklassen bietet eine spezifische Spielumgebung und stellt unterschiedliche Anforderungen an die Schiedsrichter. Ein wichtiges Element im Aufstiegssystem ist die Anwesenheit von Beobachtern bei bestimmten Spielen während der Saison. Diese Beobachter bewerten nicht nur den Schiedsrichter, sondern auch seine Assistenten. Jedes Spiel, das von einem Beobachter verfolgt wird, fließt in ein Bewertungssystem ein. Die vergebenen Noten werden in einem Punktesystem festgehalten. Diese Bewertungen dienen dazu, die Leistungen der Schiedsrichter innerhalb ihrer jeweiligen Leistungsklasse zu vergleichen. Am Ende der Saison werden die gesammelten Punkte und Bewertungen herangezogen, um über Aufstiege zu entscheiden. Diejenigen Schiedsrichter, die sich durch konstante Leistungen hervorgetan haben, haben die Möglichkeit, in die nächsthöhere Leistungsklasse aufzusteigen. Dieses System schafft nicht nur eine klare Struktur und Zielsetzung, sondern fördert auch Fairness und Konkurrenz unter den Schiedsrichtern.

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Wie wird man Schiedsrichter und welche Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach mitbringen?

Schiedsrichter zu werden, ist eigentlich ziemlich unkompliziert. Wenn du Interesse am Pfeifen hast, kannst du einfach mit dem Obmann deines Vereins sprechen, und er meldet dich dann zum Anwärterlehrgang an. Es ist wichtig, dass du Spaß daran hast und ein gewissen Willen mitbringst, neues zu lernen, selbst wenn es anfangs
schwierig erscheint. Viele Anwärter hören nach ein paar Spielen auf, weil es nicht so ist, wie sie es erwartet haben. Das ändert sich jedoch mit der Zeit, und man findet immer mehr Freude daran. So war es zumindest bei mir. Daher kann ich jedem jungen Schiedsrichter nur raten, dranzubleiben, denn es sind einfach großartige Erfahrungen, die man durch das Pfeifen sammeln kann. Man muss sich bewusst sein, dass man Verantwortung übernehmen muss und dabei Ruhe ausstrahlen sollte. Außerdem sollte man sich im Klaren darüber sein, dass es vorkommen kann, dass man mehr als nur ein Spiel am Wochenende pfeifen muss.
Das bedeutet, man sollte körperlich fit sein und den notwendigen Willen zeigen. Ich kann nur jedem Raten mit dem Pfeifen anzufangen, da die Mischung aus Spaß und Konzentration super ist.

Finn Jonah Dettmer. Foto: TNS Sports

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Schiedsrichter werden nicht unbedingt um ihren Job beneidet. Hattest du schon mal bedenkenswerte Erlebnisse?

Es ist schade, dass Schiedsrichter nicht besonders beliebt sind, obwohl sie eine entscheidende Rolle im reibungslosen Ablauf eines Spiels spielen. Ohne uns würde keine Partie ordnungsgemäß funktionieren. Leider verstehen viele Menschen dieses grundlegende Prinzip nicht und wählen stattdessen den Weg, Schiedsrichter verbal zu bedrohen und zu beleidigen. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu physischer Gewalt. Auch ich selbst habe bereits unschöne Momente erlebt, doch zum Glück ist mir bisher nie der Gedanke gekommen, das Pfeifen aufzugeben.
Es gab Spiele, bei denen wir Schiedsrichter sogar von Ordnern begleitet werden mussten, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. In einigen Fällen wurde ich persönlich verbal attackiert. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man in der Rolle des  “Schiedsrichters“ angegriffen wird oder ob der Angriff persönlich gegen einen gerichtet ist. Beleidigungen gegen meine Person als „Schiedsrichter“ versuche ich einfach zu ignorieren oder darüber zu lachen. Dies ist leider sehr oft der Fall aber ich kann mittlerweile sehr gut über Sprüche lachen, oder einen Spruch zurückgeben. Als ich noch ein recht neuer Schiedsrichter war, fiel es mir schwer, Beleidigungen zu überhören, da dies ziemlich neu für mich war. Mittlerweile gelingt mir das jedoch sehr gut. Doch sobald die Angriffe sich gegen mich als Mensch richten, wird die Situation ganz anders. Solche Angriffe halte ich für absolut inakzeptabel, und die Ereignisse beschäftigen mich dann noch mehrere Tage lang. Ich möchte nicht auf einzelne Vorfälle eingehen, einige davon waren jedoch sehr hitzig und emotional über die Grenze hinaus.

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Welches war für dich dein bisher schönstes Spiel als Schiedsrichter und als Spieler?

Es gibt zwei Spiele, an die ich mich besonders gerne erinnere, bei denen ich als Schiedsrichter im Einsatz war. In der B Jugend Regionalliga hatte ich die Ehre, das Spiel zwischen dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig zu leiten. Diese Erfahrung war äußerst aufregend, da nicht nur hochklassiger Fußball gespielt wurde, sondern das Ganze auch noch direkt neben dem Volksparkstadion stattfand. Während des Spiels hatte ich sogar die Gelegenheit, Hamburger SV Legende Horst Hrubesch als Zuschauer zu sehen. Nach der Partie lobte er sogar unsere Leistung, was für uns natürlich eine besondere Anerkennung war. Auf dem Platz standen damals aufstrebende Talente wie Otto Stange und Carim Coulibaly, wobei Stange bereits mit den Profis trainieren durfte und sogar für die Nationalmannschaft auflief. Das Gefühl, solche vielversprechenden Spieler zu pfeifen, war unglaublich cool und spannend. Ein weiteres Highlight erlebte ich in der vergangenen Saison, als ich noch in der Verbandsliga pfiff. Es handelte sich um das Spiel zwischen dem TSV Hattstedt und der SG Eckernförde/Fleckeby. Das Spiel wurde als absolutes Topspiel angekündigt und die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Mit 350 Zuschauern, einer großartigen Stimmung und viel Pyrotechnik wurde das Spiel zu einem unvergesslichen Ereignis. An diesem Tag hatte ich zudem einen Beobachter vor Ort, und das Schicksal meinte es gut mit mir. Das Spiel lief hervorragend, der Beobachter war beeindruckt, und meine Leistung wurde mit einer herausragenden Bewertung belohnt. Diese Note besiegelte meinen Aufstieg in die Landesliga.
Ein Spiel, das für immer in meiner Erinnerung bleiben wird. Als Spieler gab es ebenfalls ein besonderes Highlight, als ich 2020 in der C Jugend Regionalliga für den SC Weiche Flensburg 08 antrat. Es handelte sich um das Spiel gegen den VfL Osnabrück. Einen Tag vorher waren wir mit dem Bus nach Osnabrück gereist und hatten vor Ort übernachtet. Am nächsten Tag stand dann das Spiel gegen ein Nachwuchsleistungszentrum-Team an. Trotz der 3:0-Niederlage war allein die Reise, die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen ein unvergessliches Abenteuer, das immer in meinem Gedächtnis bleiben wird.


Dieser Artikel erschien zuerst in der FLENSBURG SPORT #36 / Februar 2024. 




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