Connect with us

Fußball

Tarek Malz: Vom FC Angeln in die USA

Tarek Malz lebt seinen Fußball-Traum: 2016 entschied er sich für ein Studium in den USA, um dort in der NCAA College Liga auf professionellen Niveau spielen zu können. Wir haben mit Tarek gesprochen, der uns ausführlich von seinem Weg vom FC Angeln 02 ans Newberry College in South Carolina berichtet hat und über sein Leben in den USA.

Fotos: Privat

Als die deutsche Nationalmannschaft 2002 in Südkorea und Japan um die Weltmeisterschaft kämpfte began auch die Fußballkarriere von Tarek Malz.

Von der F-Jugend durchlief er bis zur D-Jugend alle Mannschaften des TSV Nordmark Satrup (später SG Satrup-Großsolt) und empfahl sich durch gute Leistungen für die Kreisauswahl Flensburg. Nach seinem letzten D-Jugend Jahr entschied er sich für einen Wechsel zum FC Angeln 02 und für das Abenteuer Schleswig-Holstein Liga. Diesen Wechsel sollte Tarek nicht bereuen und so kann er heute auf erfolgreiche Jahre in der höchsten Jugendspielklasse Schleswig-Holsteins zurückblicken.

Nach dem erfolgreich abgeschlossen Abitur im Sommer 2014 stellte sich die Frage, welcher Schritt folgt nun? “Für mich war klar, dass ich zum einem studieren und zum anderen weiterhin Fußball auf hohem Niveau spielen wollte. Dies ist in Deutschland nur schwer machbar”, beschreibt Tarek die damalige Problematik. Letztendlich war es einer seiner Teamkollegen, der dieses Problem lösen konnte. Tom Karshüning, damaliger Spieler des FC Angeln 02 (aktuell Hawaii Pazific University) befand sich im Bewerbungsprozess um ein Fußballstipendium an einem amerikanischen College. Tarek wollte es ihm gleichtun und ebenfalls in die USA um an einem College zu studieren, und Fußball unter professionellen Bedingungen zu spielen. Da der Bewerbungsprozess äußerst komplex ist gibt es eine Vielzahl von Agenturen und Agenten die den College-Interessenten unter die Arme greifen und bei der Bewerbung helfen. Tarek arbeitete zunächst mit einem schottischen Agenten einer Agentur zusammen, war mit seiner Arbeit jedoch unzufrieden und nahm die Sache schlussendlich selber in die Hand. Da die Coaches der Colleges die möglichen neuen Spieler natürlich nicht live vor Ort beobachten können, ist ein Highlight-Video von Spielen und Trainingseinheit essentiell. Dazu kommt eine Menge Papierkram für die Bewerbungen, Zeugnisse müssen ins englische übersetzt werden, ein Medizincheck wird verlangt, Lebensläufe über die schulische und fußballerische Laufbahn sind notwendig, und zwei große Englisch-Tests (SAT und TOEFL) müssen für die Zulassung an einem College erfolgreich bestanden werden. Nachdem Tarek all dies gemeistert hatte fing er im Januar 2016 an, sich an einer Vielzahl von amerikanische Universitäten zu bewerben. Bei der Wahl der Universitäten waren für ihn mehrere Aspekte entscheidend, zu einem das Klima. “Wenn ich aus Deutschland weggehe, dann möchte ich unbedingt ein wärmeres Klima”, sagte sich Tarek damals. Auch die College Liga war von Bedeutung, das Ziel war die höchste amerikanische College Liga, die NCAA. Dazu spielte der mögliche neue Trainer eine Rolle. Ein Trainer der bei guten Leistungen auf ihn setzt und eine ähnliche Spielphilosophie verfolgt, war Tarek bei der Wahl des passenden College wichtig. Und zu guter letzt natürlich der akademische Aspekt, neben dem Sport musste das College natürlich auch einen Studiengang anbieten, der für Tarek von Interesse sein könnte.

Unter diesen Auswahlkriterien schrieb Tarek um die 300 E-Mails an die Colleges und tauschte sich tagtäglich mit Ver-antwortlichen aus, meist mit den Cheftrainern. Mitte März 2016 hatte sich die Spreu vom Weizen getrennt und 25 Angebote verschiedener Colleges lagen auf dem Tisch. Zum Teil sehr interessante, so bekundenden beispielsweise Colleges aus Los Angeles, Manhatten und Palm Beach (Florida) starkes Interesse.

Am Ende entschied sich Tarek für das Newberry College in South Carolina. Deren Trainer Bryce Cooper hatte in vielen Skype-Gesprächen Überzeugungsarbeit geleistet und seine konkreten Vorstellungen seiner Spielphilosophie vermittelt. Dazu ist es in Newberry das ganze Jahr über sonnig und die Temperaturen fallen nie unter 20 Grad Celsius. Das College zählt zu den Besten im Süden der USA und bietet Platz für 1200 Studierende, circa 30 von ihnen kommen wie Tarek nicht aus den USA. Dazu spielt der Sport am Newberry College eine große Rolle, ungefähr 65 % der Studenten und Studentinnen üben neben dem Studium noch eine Sportart für eines der unzähligen College-Teams aus. Auf dem Campus befinden sich neben den Studentenwohnheimen die vielen Universitätsgebäuden sowie die Stadien und Sporthallen. So lässt sich problemlos spontan ein Football-oder Basketballspiel verfolgen.

Newberry selbst ist eine 10.000 Einwohnerstadt mit mit einer sehenswerten Altstadt erzählt Tarek. Sehenswürdigkeiten sind nicht wirklich vorhanden, aber dies ist auch kein großes Problem, da größere Städte wie Columbia, Greenville, Charleston oder auch Charlotte mit dem Auto schnell zu erreichen sind.

Tarek hat sich am Newberry College für einen Doppelstudiengang bestehend aus Sport Management und Business entschieden, dadurch musste er sich für ein paar Klassen mehr einschreiben. Da “Student-Athleten” jedoch eine bestimmte Anzahl an Stunden in der Woche in den Vorlesungen und Klassen nicht überschreiten dürfen, müssen ei-nige Stunden in die Sommerferien gelegt werden.

Ein normaler Tag innerhalb der Saison, also im Herbstsemester, beginnt für Tarek um 7:00 Uhr. Er trifft sich dann mit seinen Teamkollegen zum gemeinsamen auslaufen und dehnen in einer der Sporthallen. Danach folgen noch Körpergewichtsübungen. Um viertel vor Acht geht es dann für die Mannschaft zum gemeinsamen Frühstück in die Cafeteria. Nach einer Viertelstunde beginnt dann um 8:00 Uhr für Tarek die erste Stunde mit dem Fach Sport Psychologie. Von 9:25 Uhr bis 10:40 Uhr geht es weiter mit Sport Management. Anschließend geht es zunächst einmal zurück in die Cafeteria für einen kleinen Snack. Danach steht noch “Business Law” bis 13:00 Uhr auf dem Programm. Eine Viertelstunde später trifft sich der Großteil des Teams zum gemeinsamen Mittag-essen in der Cafeteria. Bis 15:00 Uhr hat man dann Zeit, sich um Hausaufgaben oder bevorstehende Tests und Klausuren zu kümmern. Dann trifft sich Tarek mit seinen Mannschaftskollegen in ihrer Kabine auf dem Campus und von 15:30 Uhr bis 17:00 findet auf dem Platz das Training statt. Vor Spieltagen kommt nach dem Training noch eine halbstündige Videoanalyse hinzu. Gegen 17:30 Uhr geht es dann zum Abendessen und nach einer guten halben Stunde kann Tarek seinen Abend frei gestalten. “Ich achtete dann darauf meine Uni-Sachen zu erledigen und gegen 19:30 Uhr nochmal ins Fitnessstudio zu gehen”, berichtet Tarek. Es wird dann meist nochmal etwas kleines gegessen und in der Regel endet für Tarek der Tag gegen 22:00 Uhr.

Trainiert wird vier mal pro Woche. Dazu kommen noch zwei Krafttrainingseinheiten sowie zwei Videoanalysen. Im Zeit-raum von Anfang September bis Ende Oktober werden 18 Spiele ausgetragen, dass sind zwei Spiele pro Woche und dementsprechend sehr kraftraubend. “Daher sind die kurzen Regenerations-Phasen zwischen den Spielen umso wichtiger”, erzählt uns Tarek. Auch die professionelle medizinische Arbeit der Physiotherapeuten ist für die gesamte Mannschaft von hoher Bedeutung. Obwohl der Terminplan von Fußball sehr zeitintensiv ist und einiges abverlangt darf die Universität nicht zu kurz kommen, denn es gibt eine ganz einfache Regel an den Colleges: Wer einen bestimmten Notendurchschnitt nicht vorweisen kann, verliert seine Spielberechtigung! “Meine Freizeit komm teilweise schon sehr kurz, nichtsdestotrotz ist es natürlich großartig, Fußball unter solch professionellen Bedingungen zu spielen”, fasst Tarek das Zusammenspiel zwischen Studium und Sport zusammen.

Ein 20 Quadratmeter Zimmer in einem der Studentenwohnheime teilt sich Tarek mit einem Teamkollegen aus Equador. Er erzählt, dass das Zimmer sehr spartanisch eingerichtet ist und nur zwei Betten, zwei Schreibtische, zwei kleine Schränke sowie ein großer Wandschrank in dem Zimmer Platz finden. “Dies ist aber auch nicht weiter tragisch, da man eigentlich eh nur zum Lernen und Ausruhen in seinem Zimmer ist”, erwidert Tarek. Dadurch das viele seiner besten Freunde und Mitspieler quasi direkt nebenan wohnen, trifft man sich häufig auf eine Runde FIFA oder schaut zusammen internationalen Fußball. Aber auch durch die täglichen gemeinsamen Mahlzeiten und die vielen Trainingseinheiten verbringt Tarek viel Zeit mit seinen Mannschaftskameraden und man hilft sich auch bei Problemen. Neben all dem versucht Tarek natürlich auch den Kontakt nach Deutschland zu seiner Familie und seinen Freunden zu halten, dies ist bei einer Zeitverschiebung von +6 Stunden gar nicht so einfach.



Das Newberry College spielt in der prestigeträchtigen NCAA College Liga, die in drei Divisionen unterteilt ist. Die einzelnen Divisionen werden wiederum nochmals in Conferences unterteilt. Tarek trifft mit seinem Team in der South Atlantic Conference (SAC) an. In der Meisterschaft hat man dann 10 Saisonspiele und ein paar Non-Conference Spiele gegen Teams aus anderen Conferences, diese werden aber nicht gewertet. Die ersten acht Teams kommen am Ende der Saison in die Conference Play-offs. Der Gewinner dieser Runde spielt zwei weitere Play-off Runden bevor es zum Conference-Final kommt. Gewinnt man das Conference-Final winkt jeden Spieler nicht nur ein Ring (vergleichbar mit dem berühmten SuperBowl Ring), sondern man misst sich ebenfalls in einem Play-off System mit den besten Teams des Landes um den National Champion auszuspielen.
In seinem ersten Jahr am Newberry College war Tarek nicht spielberechtigt da sein Agent ihm falsche Informationen zu seiner Spielberechtigung gegeben hatte. In seinem zweiten College-Jahr war es deswegen die erste richtige Saison, die er als Spieler bestreiten durfte. Tarek, der im defensiven Mittelfeld zuhause ist, war auf Anhieb Stammspieler, stand in jedem Spiel in der Startelf und sammelte mit seinem Torwart die meisten Spielminuten des Teams. Als erstes Fußballteam des Newberry College wurde die erste Play-off Runde erreicht und damit schrieb das Team Geschichte. “Allerdings ist uns klar, dass wir vom Potenzial noch mehr erreichen hätten können”, blickt Tarek nichtsdestotrotz auch ein Stück weit kritisch auf die vergangene Saison zurück. Das Studium lief auch sehr gut, in allen Kursen konnte Tarek gute Noten sammeln und somit muss er sich keine Sorgen um seine Spielberechtigung machen.

Die größte Erfahrung ist die Sprache, erklärt Tarek auf die Frage, welche Erfahrungen er schon in den USA gesammelt habe. Mit Professoren, Trainern und Mitspielern wird ausschließlich auf Englisch kommuniziert und dies war gerade zum Anfang natürlich ungewohnt und eine Herausforderung. Auch auf dem Fußballplatz, denn fußballspezifische Kommandos für Mitspieler wurden natürlich nicht im Schulenglisch unterrichtet. Hilfe leistete hierbei eine Vokabelliste des Trainers und mittlerweile kommuniziert Tarek auf und neben dem Platz wie selbstverständlich in Englisch.

Fragt man Tarek nach den Unterschieden im Fußball zwischen den USA und Deutschland fällt zuerst der Begriff Taktik. “In Deutschland werden die Spieler deutlich mehr taktisch geschult, in den USA steht oftmals mehr die Physis im Vordergrund”, stellt Tarek klar. Weiter vermisst Tarek etwas die spezielle Atmosphäre beim Fußball und nennt als Beispiel, dass sich in den USA weniger Zuschauer über den Schiedsrichter aufregen oder dass gegnerische Fans nicht versuchen, die anderen Mannschaften mit Sprüchen aus der Reserve zu locken.

Da jetzt erstmal Ferien sind ist Tarek in Deutschland und hat auch hier die Weihnachtsfeiertage verbracht. Ganz ohne Sport geht es aber auch hier nicht. Der Coach hat ihm einen Trainingsplan mitgegeben und wenn die Ferien vorbei sind, wird mit einem Fitnesstest überprüft, ob der Trainingsplan auch eingehalten wurde. Da die Fußballsaison nur im Herbst ist, werden im Frühjahr-Semester keine Pflichtspiele absolviert. Dies tut dem Pensum aber keinen Abbruch, es wird fünf mal pro Woche trainiert, drei Krafttrainingseinheiten und zwei Schnelligkeitseinheiten. Dazu kommen dann noch sechs Testspiele. “Nur weil man keine Saison hat, heißt das nicht, dass man sich ausruhen kann”, erklärt Tarek mit einem Lachen.

Continue Reading
Advertisement

Aktuelle Ausgabe

Advertisement

Facebook

Advertisement

Twitter

Die "Vater des Erfolgs" bleiben, den Abgängen folgen u.a. Sophie Fasold und Franziska Peters in die Reihen der TSV Nord Harrislee- Nordfrauen. https://t.co/ZOa25RbISs

Großer Umbruch nach zahlreichen Abgängen: Michael Jacobsen übernimmt die SG Fle-Ha Youngsters https://t.co/2eChEQr2nN

Unsere Tipps zum Wochenende: Borrusia Mönchengladbach ist zu Gast beim SC Weiche Flensburg 08, IF Stjernen Flensborg - Liga testet und ab Montag beginnt der 19. Sparda Bank Cup beim TC Mürwik https://t.co/OypSJw8O1Q

Beliebt