TSV Nord Harrislee appelliert mit offenen Brief an die Landesregierung

Markus Roloff auf dem neuen Kunstrasenplatz vom TSV Nord Harrislee. Wann hier zum ersten Mal gespielt werden darf, steht weiterhin in den Sternen. Foto: TNS Sports

Bis zum 31. August soll sich an den geltenden Bestimmungen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie in Schleswig-Holstein nichts ändern. Das heißt, dass auch weiterhin kein normales Training oder Testspiele in Schleswig-Holstein möglich sein werden. Der angedachte Saisonstart im September ist damit kaum noch zu realisieren.

Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband reagierte auf die Pressekonferenz der Landesregierung enttäuscht. SHFV-Präsident Uwe Döring sagte: “Wir hatten aus unseren regelmäßigen Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung Hoffnung geschöpft, dass unsere Vereine ab dem 10. August weitere Schritte zurück zu einer gewissen Normalität im Trainings- und Spielbetrieb machen dürfen. Deshalb bedauern wir die heute verkündete Entscheidung und werden bis zum endgültigen Inkrafttreten der neuen Verordnung die Interessen unserer Vereine gegenüber der Politik noch einmal deutlich zum Ausdruck bringen – auch vor dem Hintergrund, dass in benachbarten Bundesländern schon wieder mehr möglich ist. Wir verschließen keineswegs die Augen vor der aktuellen Entwicklung der Infektionszahlen, halten aber moderate Lockerungen für den Amateurfußball nicht für unangemessen.”

Offener Brief vom TSV Nord Harrislee

Auch die Fußballabteilung vom TSV Nord Harrislee appellierte nun mit einem offenen Brief an die Innenministerin und den Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein. Fußball-Obmann Markus Roloff spricht in seinem Brief von einer unverhältnismäßigen Beeinträchtigung zum Infektionsgeschehen in Schleswig-Holstein. “Bisher ist kein einziger Fall in Schleswig-Holstein bekannt, bei dem sich ein Sporttreibender bei einem anderen Vereinsmitglied angesteckt hätte, mit dem er zusammen im Freien Sport betrieben hätte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Schleswig-Holstein etwa 850.000 Menschen in etwa 2.600 Vereinen Sport treiben. Die Vereinsmitglieder – und das gilt gerade für die Kinder – bewegen sich in der Regel nur im bekannten Umfeld und treiben oft Sport mit Klassenkameraden und Freunden, also Menschen, zu denen sie ohnehin Kontakt ohne Einhaltung des Abstandsgebotes haben und haben dürfen. Zudem ist eine Nachverfolgung der Kontakte problemlos möglich. Es ist vor dem Hintergrund der dringenden gesundheitlichen Belange dieser 850.000 Menschen nicht hinzunehmen, dass die Sportausübung in derart unzumutbarer Weise eingeschränkt wird. Es ist doch, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, wünschenswert und wichtig, die Menschen zum Sporttreiben an der frischen Luft zu motivieren. Die Vereine leisten hierbei durch ihre Hygienekonzepte im Allgemeinen hervorragende Arbeit, um ihre Mitglieder vor einer Ansteckung mit Sars-Cov-2 zu schützen. Gleichzeitig ist es den Mitgliedern und ggf. ihren gesetzlichen Vertretern zuzutrauen, eigenverantwortlich zu entscheiden, ob das Restrisiko einer Ansteckung, welches auch bei Einhaltung der Mindestabstände selbstverständlich nie vollständig ausgeschlossen werden kann, für das einzelne Mitglied eingegangen werden kann.”

“Erheblicher Schaden für die Glaubwürdigkeit der Politik”

Roloff verweist darauf, dass viele Vereine bereits in andere Bundesländer oder nach Dänemark ausweichen, was nicht im Interesse der Schleswig-Holsteiner sein sollte.
“Ein weiterer Gesichtspunkt zeigt auf, wie wenig zielführend und widersprüchlich ein Verbleiben bei der Gruppengröße von zehn Personen ist. Dieser ist darin zu sehen, dass die Glaubwürdigkeit der Politik und die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen erheblichen Schaden nehmen werden. Es ist schließlich den Schülerinnen und Schülern nicht sinnvoll zu erklären, dass sie in der Schule mit bis zu 30 Personen ohne Einhaltung jeglicher Abstandsregeln im Klassenzimmer, also innerhalb geschlossener Räume, in Kontakt kommen können, während sie auf dem Fußballplatz kein vernünftiges Trainingsspiel mit 22 Spielerinnen und Spielern durchführen dürfen.”

“Mir gehen die Argumente aus”

Sein Brief wurde nach gut drei Stunden bereits über 300 Mal geteilt. “Es gab viele positive Reaktionen, auch von anderen Vereinen, die diesen Brief unterstützen”, sagte uns Roloff vor dem Training mit seiner F-Jugend. “Zu den Unterstützern gehören sogar Vereine anderer Bundesländer.” Besonders gegenüber seinen jungen Kickern gehen ihm langsam die Argumente aus, wenn sie fragen, warum alle spielen dürfen, nur sie nicht. “Solange nicht in allen Bundesländern gleiche Kriterien gelten, ist es sehr schwer unsere Auflagen den Jungs zu verkaufen. Ich kann ihren Unmut verstehen, aber wir halten uns an das Hygiene-Konzept und die aufgestellten Regeln.” Das von der Gemeinde genehmigte Konzept des Vereins würde sogar eine Nutzung der Duschen erlauben.
Auch im Gespräch mit uns wiederholt er seine Forderung. “Wir erwarten, dass wir unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen wieder unsere Spiele machen dürfen. Von mir aus auch vorerst ohne Zuschauer, hauptsache der Spielbetrieb geht wieder los.”

Den offenen Brief von Markus Roloff gibt es in voller Länge auf der Facebook-Seite der Fußballabteilung vom TSV Nord Harrislee zu lesen.