Der Sport in der nördlichsten Region boomte

Das Stadtduell zwischen dem TSB Flensburg und Flensburg 08 war ein Klassiker. Foto: Jörn Saemann

Thema: Ob Flensburg, Schleswig, Nordfriesland oder Angeln
– Der Sport in der nördlichsten Region boomte

Er ist Flensburgs wandelndes Sportlexikon. Sportjournalist Jörn Saemann teilt exklusiv im TNS Sports Magazin Flensburg seine kuriosesten und lustigsten Erlebnisse und Erinnerungen.


Die Corona-Krise hat die Welt derzeit im Griff. Das Leben ist das wichtigste Gut, dass wir alle haben! Und so muss das wahre Luxusleben, das so selbstverständlich erachtete Treffen mit Familie und Freunden in großer Anzahl, ruhen. Die sonst boomend Wirtschaft und vor allem das so oft deklarierte Millionenspiel des Sports, muss mit Respekt auf die Gesundheit eines jeden Menschen ebenso verständlich weichen. Doch die Vorfreude auf die Zeit nach der Corona-Krise darf erlaubt sein. Ein Rückblick auf den boomenden Sport in unserer nördlichsten Region, weckt die Hoffnung auf Hallen- und Stadionbesuche, die aber noch einige Zeit dauern wird.

Die SG Flensburg-Handewitt ist seit dreißig Jahren das Aushängeschild des Handballs in der nördlichsten Region. Bevor die 1990 sogenannte „Super-SG“ Wahrheit wurde, gab es auf den vorherigen Ebenen der Spielklassen, mit verschiedenen Vereinen einen Kampf um die Vorherrschaft in der nördlichsten Region. Denn 1968 wurde der Flensburger Turner Bund Meister der Handballoberliga Schleswig-Holsteins. Die höchste Spielklasse des nördlichsten Bundeslandes, war damals noch die zweithöchste Spielklasse in der Bundesrepublik. Der Sprung in die zwei Jahre zuvor gegründete Bundesliga wurde aber nicht vollzogen. Doch nicht nur in Flensburg wurde Handballgeschichte geschrieben. Denn auch in der weiteren Region taten sich Handballmächte auf.

Ob Schleswig, der Kreis Schleswig-Flensburg, oder Nordfriesland. Es gab so einige Meister in der Handballoberliga Schleswig-Holstein, die ab 1969, durch die Einführung der Regionalliga, die dritthöchste Spielklasse war. So feierten Schleswig 06 (1975), die SG Weiche-Handewitt (1976) und der MTV Leck (1979) die Meisterschaft und den Aufstieg in die zweitklassige Regionalliga Nord. Der TSV Tarp sicherte sich 1981 den Oberligatitel und Sprung in die drittklassige Regionalliga. Denn 1981/82, wurde die zweite Bundesliga eingeführt. In dieser durfte der TSV Tarp gemeinsam mit dem TSV Wanderup, als 1987 gegründete HSG Tarp-Wanderup, zwischen 1994 und 2014 acht Jahre im Bundesligaunterhaus Handballgeschichte schreiben. 1991 gelang der SG Glücksburg/Munkbrarup, einem Zusammenschluss des TSV Glücksburg 09 und des TSV Munkbrarup, als Oberliga-Champion der Aufstieg in die Regionalliga. Die SG Niebüll-Süderlügum sicherte sich 1999 den Titel und setzte die frühere Erfolgsserie des TSV Rot-Weiß Niebüll kurzzeitig fort. Dies gilt auch für die HSG Kropp-Tetenshusen die zweimal (2002, 2005) und als SG Kropp-Tetenhusen-Dithmarschen 2008 noch einmal die Meisterschaft und den Aufstieg in die Regionalliga feiern konnte.

Der DHK Flensborg (1996) und TSV Hürup (2004) hingegen, haben sich etabliert und spielen derzeit in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein eine gute Rolle. Auch im Fußball gab es vor dem derzeitigen Branchenführer SC Weiche Flensburg 08, der 2018 das Double aus Meisterschaft in der Regionalliga Nord und SHFV-Landespokalsieg und zudem zwei Begegnungen im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum und Werder Bremen feierte, in der nördlichsten Region einige Clubs, die um die Vorherrschaft buhlten. Lange war Flensburg 08 der Kultclub schlechthin. Schillernd wie Bayern München und chaotisch wie der HSV, beides ist auf „Null Acht“ ebenso zutreffend, wie auf den Nachbarn „Null Sechs“, Schleswig 06. Derbys der beiden Vereine waren schon nach dem zweiten Weltkrieg Zuschauermagneten. 1947 gingen beide Clubs in der Staffel Nord der Landesliga Schleswig-Holstein an den Start. Eine Saison später, 1948/49, wurden die drei Staffeln Nord, Ost und West, zur einer Spielklasse zusammengefasst, an deren Premierensaison der spätere TSB Flensburg als VfL Flensburg in der höchsten Spielklasse des nördlichsten Bundeslandes geführt wurde.

Weiterer bekannter Verein der „ersten Stunde“ nach dem zweiten Weltkrieg war Husum 18, der seit 1994 gemeinsam mit Frisia Husum als Husumer SV in Schleswig-Holsteins Oberhaus aktiv ist. Von 1953 bis 1968 firmierte diese als 1. Amateurliga Schleswig-Holstein, bevor der Name Landesliga Schleswig-Holstein wieder Gültigkeit bekam. Durch die vielen Fußballreformen, vor allem der Einführung der Bundesliga und der zweitklassigen Regionalliga im Jahr 1963, war die Landesliga nunmehr die dritthöchste Spielklasse im Land zwischen den Meeren. Ab 1974, durch die Einführung der Amateur-Oberliga Nord, wurde die Landesliga viertklassig. Doch Fußball im eigenen Stadion war vor der Zeit des Pay-TV und der Internetplattformen, am Wochenende ein Muss. Die Zuschauer strömten durch die Stadiontore. Das Flensburger Stadion, oder zuvor der Fußballplatz am Sender, waren gesäumt von Zuschauern. Der Dr. Alslev Platz in Schleswig konnte Menschenmengen unterbringen, was für den heutigen Besucher kaum vorstellbar ist. Ebenso das Friesenstadion in Husum, wo sich Husum 18 und „Frisia“ noch beide Hauptplätze teilten. Hohe vierstellige Zuschauerzahlen waren in Flensburg, Schleswig und Nordfriesland an der „Spiel“-Tagesordnung. 1973 und 1974 wurde Flensburg 08 Landesmeister und nach dem Scheitern in der Aufstiegsrunde 1973, wurden diese 1974 erfolgreich bestritten und das hehre Ziel Aufstieg in die Amateuroberliga Nord erreicht. Nach nur einem Jahr, ging es aber wieder runter. Die neue Macht, der TSV Westerland von der Insel Sylt, etablierte sich in der Landesliga starke einstellige Tabellenplätze. Schleswig 06 reparierte den Abstieg 1974 zwei Jahre später mit dem Wiederaufstieg. 1977 verpasste Flensburg 08 die Rückkehr in die Amateuroberliga nur um einen Punkt in der Aufstiegsrunde, die erneute Aufstiegsrundenteilname 1978 wurde mit zwei Zählern weniger gegenüber dem VfR Neumünster verpasst.

Danach änderten sich die Zeiten. Neue Fußballmächte wie der TSV Nord Harrislee machten den arrivierten Clubs Konkurrenz. Zudem änderte sich das Freizeitverhalten zusehends und der Zuschauerschwund wurde immer größer. Vierstellige Besucherzahlen wurden nur zu Beginn der 1990er Jahre über eine kurze Dekade wieder erreicht. Erst mit den Erfolgen des SC Weiche Flensburg 08, tauchten diese in der näheren Vergangenheit wieder in der Statistik auf. Nach der Corona-Pandemie, könnte der Stadion- und Hallenbesuch von Sportveranstaltungen aber wieder das Gefühl verbreiten, unabhängig von sportlichen Resultaten, wie schön Begegnungen sind. (jös)


Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe Juli/August 2020