Talentschmieden: Große und kleine Vereine leisten ihren Beitrag

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Thema: Große und kleine Vereine leisten ihren Beitrag

Er ist Flensburgs wandelndes Sportlexikon. Sportjournalist Jörn Saemann teilt exklusiv im TNS Sports Magazin Flensburg seine kuriosesten und lustigsten Erlebnisse und Erinnerungen.


Die ersten Lockerungen aufgrund der Corona-Krise greifen derzeit. Der Mannschaftssport darf auch in Schleswig-Holstein wieder gepflegt werden. Nur zu gerne hätten in diesem Jahr einige Vereine ihr Jubiläum zünftig gefeiert. Die SG Flensburg-Handewitt ist nunmehr seit 30 Jahren ein deutscher und europäischer Topclub. Aufgrund des Saisonabbruchs, blieb die letzte Hoffnung auf einen Hattrick als deutscher Meister, nach den Titelgewinnen 2018 und 2019, verwehrt. Doch in der dreißigjährigen Vereinsgeschichte, gab es einige Titel zu feiern, aber auch Tränen der Enttäuschung.

Zwar landete die SG in 28 Spielzeiten seit 1992 in der Bundesliga und die dadurch verbundene Etablierung zum Spitzenclub seit 1994 immer im oberen Tabellendrittel der Beletage des deutschen Handballs, errang aber lange Zeit auch den Ruf des „ewigen Zweiten“. Dabei hatte die SG Flensburg-Handewitt seine Reise zum groß respektierten Verein weltweit, nach der Wiedervereinigung in der zweiten Bundesliga mit einem 29:11 Sieg bei Motor Heringsdorf begonnen. Das Etappenziel Aufstieg in die Bundesliga wurde 1992 erreicht und den ersten vielbeachteten Titel feierte die SG 1997 mit dem Gewinn des EHF-Pokal. Nach zwei weiteren Europapokalerfolgen, mit dem Citti-Cup 1999 und dem Europapokal der Pokalsieger 2001, wurde auch das verzweifelte Streben nach einem wichtigen nationalen Titel belohnt. Nach vielen Enttäuschungen, brach der DHB-Pokalsieg 2003 endlich den Bann, als SG-Legende Lars Christiansen den Keeper des TUSEM Essen mit einem Heber zum 30:29 Endstand überlistete. Der „Pott“ war endlich in Flensburg und mit dem Triumphen 2004 und 2005, gab es sogar einen Titelhattrick. 2004 folgte dann die so ersehnte erste deutsche Meisterschaft und die „Schale“ wurde endlich auf dem Flensburger Campus in die Höhe gereckt. Nach dem Gewinn des letztmalig ausgespielten Europapokal der Pokalsieger 2012, folgte 2014 die europäische Krönung. Der Gewinn der Champions League. So wurden die Spieler der SG Flensburg-Handewitt als „Könige Europas“ tituliert. 2015 folgte im fünften Anlauf nacheinander, dann endlich auch der vierte Triumph im DHB-Pokal. 2018 und 2019 sorgten die zwei deutschen Meisterschaften in Folge für nachhaltigen Erfolg. Nur die Corona-Pandemie stoppte das 30-jährige Jubiläum.

Der Nordexpress machte Schlagzeilen

Seit nunmehr siebzig Jahren gibt es den TSV Nord Harrislee. Der Verein nahe der dänischen Grenze, hat Bundesweit vor allem durch seine Handballerinnen für Furore gesorgt. Von 1979 bis 1985 war der „Nordexpress“ in der zweithöchsten Spielklasse beheimatet, der Regionalliga Nord. 1985 gelang als Staffelmeister sogar die Qualifikation für die 2. Bundesliga Nord. Nach einem kurzen „Absturz“ in die drittklassige Regionalliga, schaffte der Nordexpress 1990 die Rückkehr und 1991 sogar den Durchmarsch in die Bundesliga Nord. Nach dem sofortigen Abstieg, kehrten die Harrisleerinnen 1994 für zwei Jahre in die Beletage des deutschen Frauenhandballs zurück. Bis 2018 spielte der Club dann im Wechsel in der drittklassigen Regionalliga, zweiten Bundesliga und 3. Liga Nord. 2018 ging es dann zurück ins Bundesligaunterhaus, dem die Nordfrauen nach wie vor angehören.

Die Fußballer des Vereins hatten auch einige Hochphasen. In den 1970er Jahren sorgte der TSV Nord in der damals viertklassigen und Schleswig-Holsteins Eliteliga Verbandsliga für Furore. In der Saison 1978/79 gelang sogar die Teilnahme am DFB-Pokal, wo man sich dem Traditionsclub und damaligen Zweitbundesligisten Borussia Neunkirchen mit 0:6 beugen musste. 1995 gelang als Verbandsligameister der Aufstieg in die neue viertklassige Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein. Als Tabellendritter verpasste der TSV Nord in der Saison 1996/97 nur äußerst knapp die Aufstiegsrunde zur drittklassigen Regionalliga Nord, in der sich Traditionsvereine wie Hannover 96, Eintracht Braunschweig und VfL Osnabrück, tummelten, die in den letzten Jahren in der Bundesliga und zweiten Bundesliga dabei waren. H96 spielte vor einigen Jahren sogar in der Europaleague.

“Talentschmiede” SV Adelby

Davon träumten auch einige Flensburger Talente, die in den sogenannten „Talentschmieden“ der Fördestadt groß wurden. Dazu zählt auch der als Breitensportverein bekannte SV Adelby, der nach dem größten Sportverein TSB Flenburg, die größte Mitgliederzahl in der nördlichsten Stadt Deutschlands vorweisen kann. Das zuletzt bekannteste Talent ist Max Christiansen, der sein Glück im Profifußball versucht. Über die weiteren Stationen in der Jugend bei Flensburg 08 und dem FC Hansa Rostock, gab er bei den Mecklenburgern in der 3. Liga sein Profi-Debüt. Beim FC Ingolstadt gelang ihm der Aufstieg aus der zweiten Liga in die Bundesliga. Aktuell steht Christiansen beim Traditionsclub SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga unter Vertrag und hat den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit seinem Verein für die neue Saison im Visier. Für die Flensburger Sportfans lohnt sich also wieder der Blick in den Fernseher und hoffentlich auch bald auf die heimischen Fußballplätze und Sporthallen. (jös)


Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe September/Oktober 2020