Die Nordfrauen: Zu Hause in der zweiten Liga – Das Jahr im Rückblick

Foto: SPEEDPhotos.de

Das Jahr 2019 begann holprig für die „Nordfrauen“ vom TSV Nord Harrislee in der zweiten Handball-Bundesliga. „Wir haben im Jahr 2019 noch nicht das Niveau der zweiten Liga erreicht und müssen schleunigst sehen, dass wir wieder Leistung aufs Parkett bringen“, sagte Chef-Trainer Herluf „Shorty“ Linde nach einer deutlichen Niederlage Anfang des Jahres gegen die SG H2Ku Herrenberg. Sportlich folgte dann auch der erste Sieg im Kalenderjahr gegen die DJK/MJC Trier. Der Rummel um die Mannschaft nahm aber noch zu. Bei einer öffentlichen Veranstaltung im Februar holte Teammanager Rainer Feddersen zum Rundumschlag aus, sprach von grenzwertigen Bedingungen, fehlende Sponsoren aus der unmittelbaren Umgebung und keinerlei Unterstützung vom Handballverband. Linde bemängelte zudem, dass auch von den Einnahmen des DHB kein Geld bei der Basis ankomme. Feddersen ruderte nur wenige Stunden später zurück, sagte, dass seine Kritik unberechtigt gewesen sei: „Es ging mir um die fehlende Konzeption und Zusammenarbeit in der Öffentlichkeitsarbeit, um dem Leistungshandball in Schleswig-Holstein die entsprechende Plattform zu bieten.“

Klassenerhalt und starker Saisonstart

Wenige Wochen später dann die erfreuliche Nachricht: Shorty Linde und sein Kompetenz-Team haben ihre Verträge verlängert, bleiben bis mindestens 2020 dem TSV Nord Harrislee erhalten.
Sportlich folgten positive Erkenntnisse und Ende März hatte die Mannschaft von Shorty Linde mit 20 Punkten den Klassenerhalt quasi in trockenen Tüchern. “Die Mannschaft hat sich damit aller Sorgen entledigt, die Zwanzig steht. Eine grandiose Leistung, die allerhöchste Anerkennung verdient.” Für die Nordfrauen kam es noch besser, sie eroberten einen einstelligen Tabellenplatz und ließen sich völlig verdient in der vollen Holmberghalle für eine tolle Saison feiern.
Zur neuen Saison wurde das Team erneut verjüngt, fünf Spielerinnen feierten ihren Abschied oder schieden durch Schwangerschaften aus. „Das zweite Jahr ist bekanntlich immer schwieriger als das erste. Wir wissen, dass ein weiterer Klassenerhalt sportlich höher zu bewerten ist, als letztes Jahr“, sagte Linde vor dem ersten Spiel.
Was dann folgte überraschte alle: Die Nordfrauen starteten mit einem Auftaktsieg in die neue Saison, ließen weitere Siege folgen und eroberten zwischenzeitlich sogar die Tabellenspitze. Ganz nebenbei sorgte die Mannschaft auch im Pokal für große Sensationen. Zunächst wurde Bundesligist VfL Oldenburg besiegt, anschließend folgte ein Sieg im „Pokal-Kracher“ gegen Ligakonkurrent VfL Waiblingen und der Einzug ins Viertelfinale im Januar.
“Wir haben eine Mannschaft, die wirklich steigerungsfähig in bestimmten Momenten ist und im Augenblick eine ganz tolle Entwicklung durchmacht.”

Veränderungen 2020

Doch bei aller Euphorie wurden die grenzwertigen Bedingungen, die Anfang des Jahres bemängelt wurden, scheinbar kaum verbessert. Ende November wurde bekannt, das Trainer Shorty Linde nach der Saison zurücktreten wird. Diesen Schritt begründete Linde mit den schlechten Strukturen beim TSV Nord Harrislee und dem fehlenden Unterbau. Gleichzeitig wird auch der Vereinsvorsitzende Claus Bargiel seinen Hut nehmen. Wie die Mannschaft diesen Verlust in der zweiten Saisonhälfte verkraften wird, muss sich noch zeigen. Fest steht, dass auf dem TSV Nord Harrislee Veränderungen zukommen. Die Verantwortlichen werden hoffen, dass Co-Trainer Peer Linde die Arbeit seines Vaters fortsetzen wird und möglichst viele Spielerinnen halten kann, damit die „Nordfrauen“ uns weiter so begeistern können wie im Jahr 2019.

Shorty Linde: Der Vater des Erfolges

Was für ein Schock für den TSV Nord: Erfolgstrainer Herluf „Shorty“ Linde wird nach der Saison von seinem Amt als Chef-Trainer der „Nordfrauen“ zurücktreten.
2014 kam Linde nach dem Abstieg der Mannschaft aus der 2. Bundesliga für das Projekt „Neuaufbau“ zum TSV Nord Harrislee und musste ein ganz neues Team formen. Mit Erfolg: Unter Linde wurde die 3. Liga dominiert, Titel gewonnen, der Wiederaufstieg und Klassenerhalt gefeiert. Auch seine letzte Saison verlief bisher unglaublich erfolgreich.


Dieser Artikel erschien in unserer Sonderausgabe “2019 – Das Jahr im Rückblick”