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Handball

Simon Linnebjerg: Mein Jahr beim DHK

Ein junger Däne in Flensburg: Für ein Jahr spielte Simon Skaaning Linnebjerg für den DHK Flensborg in der dritten Bundesliga Handball. Wie Simon diese Zeit erlebt hat und warum es für ihn zurück in seine Heimat ging, erzählt er uns im Gespräch.

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Simon Skanning Linnebjerg. Foto: Jessica Stotz

Als am 4. Mai beim letzten Saisonspiel vom DHK Flensborg gegen Eintracht Hildesheim die Schlusssirene in der Idrætshalle ertönte, ging für Simon Skaaning Linnebjerg auch seine Zeit in Flensburg zu Ende. Ein Jahr lang spielte der 20-jährige Däne aus Lind bei Herning (Ringkobing) für die SdU-Handballer aus Flensburg.

„Das war ein Traum für mich als junger Kerl ins Ausland zu gehen und in der dritten Liga Handball zu spielen“, erinnert sich Simon, der mit 4 Jahren angefangen hatte Handball zu spielen, an seinen Wechsel aus der A-Jugend vom dänischen Club Ikast Håndbold zum DHK. Bei Ikast wurde er auch zum besten Jugendspieler der Saison gewählt. Als Preis bekam er ein Trikot geschenkt, „aber das hat Daniel bei einem Training kaputt gemacht“, lacht Simon.

Sein Wechsel nach Flensburg war kein Zufall. Simon stammt aus einer echten Handballer-Familie, seine Mutter und auch seine kleine Schwester spielen ebenfalls aktiv. Seine Mutter kannte auch Søren Pedersen, der in der vorherigen Saison kurze Zeit beim DHK spielte und so wurde Simon quasi an den DHK vermittelt. „Ich kann meiner Familie nicht genug für alles danken“, steht für ihn seine Familie an erster Stelle. „Ich wollte diese Chance ergreifen. Jetzt oder nie. Wer weiß, wo ich in sieben Jahren nach meinem Studium stehen werde?“ Seine Entscheidung bereute er für keine Sekunde. Doch bevor es für Simon für seine erste Saison im Herrenbereich zum DHK ging, absolvierte er noch erfolgreich sein Abitur. „Und zwei Tage nach der Feier musste ich schon zum ersten Training nach Flensburg“, lacht Simon. Durch die Verletzung von Johannes Krüger, der ebenfalls auf der Position links außen zu Hause ist, wurde Simon direkt ins kalte Wasser geschmissen. Er musste zeigen, was in ihm steckte. „Das Niveau in Deutschland ist höher, die Geschwindigkeit schneller und das Spiel Körperbetonter. Dafür ist das technische Niveau nicht so hoch“, musste sich der junge Däne zunächst mit seinem neuen Umfeld vertraut machen. „Aber da Johannes verletzt war und es keinen anderen Spieler auf der Position gab, hatte ich keinen Druck. Einerseits war ich glücklich über meine Einsatzzeiten, andererseits war ich traurig, da Johannes auch ein toller Spieler und guter Freund ist. Spielen möchte ich, weil ich gute Leistung bringe.“

Auch in seinem neuen Umfeld musste sich Simon zunächst zurecht finden, denn als er zum DHK kam, sprach er kein Wort Deutsch. „Ich habe nichts verstanden“, schmunzelt Simon, „aber Daniel hat für mich übersetzt und Alex spricht auch gut dänisch.“ Gemeint sind seine beiden Mitspieler Daniel Jessen, der ebenfalls aus Dänemark stammt, und Alexander von Eitzen. „Die Sprache habe ich mir selbst beigebracht, durch das Training, meinen Job als Kellner und durch Sprach-Apps am Smartphone.“

Für ein Jahr war die Idrætshalle für Simon sein zweites zu Hause. Foto: TNS Sports

Mit seinem Wechsel zum DHK Flensborg erfolgte auch der Umzug nach Flensburg. Hier machte er eine DHK-Wohngemeinschaft mit Leon Wenske auf. Von nun an absolvierte Simon ein hartes Programm: Montags, mittwochs und freitags wurde mit der Mannschaft trainiert, dienstags ging es in Eigenregie zum Krafttraining ins Fitnessstudio. Hinzu kamen Videoanalysen zu Hause, meist studierte er das Verhalten der gegnerischen Torhüter. „Und nebenbei habe ich mir drei Mal die Woche als Kellner Geld verdient“, erzählt Simon von seinem Alltag.

Rückkehr nach Dänemark

Nach einer komplett durchgeplanten Woche, folgten dann am Wochenende noch die Spiele. Es dauerte nicht lang und Simon konnte sich durch gute Leistungen hervortun und spielte sich auch in die Herzen der DHK-Fans. Sein sympathisches Auftreten neben dem Platz tat das Seinige dazu. So gewann Simon auch einen ganz besonderen Fan. Bei einem Heimspiel durfte der kleine Lian aus der E-Jugend der HSG Tarp-Wanderup mit dem jungen Dänen zusammen einlaufen und war sofort Feuer und Flamme für den Linksaußen des DHK. „Das war auch für mich ein Traum. Er war so glücklich mit mir einzulaufen, da wollte ich mir etwas überlegen.“ Zusammen mit Tim Blohme organisierte er einen Überraschungsbesuch bei Lian und schenkte ihm ein signiertes Trikot.

„Simon war unsere Überraschung des Jahres“

Abschalten vom Handball kann Simon am besten bei seiner Familie zu Hause. „Meine Familie war bei jedem Heimspiel mit dabei und hat mich unterstützt. Nach den Spielen bin ich dann immer mit nach Hause gefahren.“ Und wenn Simon nicht gerade Handball spielt, dann guckt er gerne Fußball und generell Sport im Fernsehen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt auch gerne live im Stadion.

Für Trainer Jens Häusler war Simon die “Überraschung des Jahres”. Foto: SPEEDPhotos.de

Für Simon Linnebjerg war sein Jahr beim DHK definitiv ein spannendes Abenteuer. „Es war gut, das ich hier war.“ Doch nun geht es für Familienmensch-Simon zurück in sein Heimatland, hier studiert der immer freundliche Linksaußen ab August/September Jura an der Aarhus University. Und auch mit dem Handball macht er natürlich weiter. Wer Simon jetzt auf dem Feld erleben möchte, sollte sich mal ein Spiel von seinem neuen Verein „HEI Håndbold“ anschauen, hier spielt er in der 2. Division. „Wenn das Studium nicht gekommen wäre, hätte ich auch gerne weiter beim DHK gespielt und beim Wiederaufstieg geholfen.“

 

Auch sein alter Trainer Jens Häusler hätte den jungen Dänen gerne länger unter seinen Fittichen gehabt. „Simon war unsere „Überraschung des Jahres“ und der Spieler mit dem größten Entwicklungsschub“, sagt er. „Als junger, dänischer Spieler hergekommen, hat er sich sehr schnell eingelebt und war von Beginn an sehr wissbegierig. Er wurde mental und physisch stärker und hat die Spielzeit, die er durch den verletzungsbedingten Ausfall von Johannes bekam, sehr gut genutzt und hat sich toll entwickelt. Ebenso hat er sich auch sprachlich sehr engagiert und schnell sehr gut deutsch gesprochen“, lobt Häusler weiter. „Ein feiner Mensch und Handballer, den wir viel zu früh wieder ziehen lassen müssen. Für sein Studium und seine weitere Zukunft wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.“


Dieser Artikel erschien in unserer Printausgabe Juli/August 2019




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