Sa, 28. Mai 2022

Treuebekenntnis für Osdorf

Wachter will nicht mehr wechseln

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Hamburg – Einen Arbeitsplatzwechsel vollzog Jeremy Wachter. War er bisher als Lagerist tätig – beziehungsweise aufgrund von Corona-bedingter Kurzarbeit zuletzt eben kaum noch aktiv –, beginnt am Montag, 1. März ein neuer Lebensabschnitt: „Ich fange im Tief- und Rohrbau an“, berichtete der 28-Jährige. Dem neuen Beruf kann er seine volle Aufmerksamkeit widmen, da er als Stürmer des Hamburger Oberligisten TuS Osdorf aufgrund der Corona-Beschränkungen schon seit Ende Oktober 2020 pausieren muss.

„Die ganze Situation schlägt auf die Psyche“, gestand Wachter, der sich in den letzten Wochen zuhause um seine beiden Töchter kümmerte. „Zum Glück war meine Familie bisher nicht vom Corona-Virus betroffen – das ist natürlich das Wichtigste“, so Wachter, der zudem feststellte: „Je besser das Wetter wurde und je mehr die Sonne schien, umso positiver war auch meine Stimmung.“ Das Fußballspielen und der persönliche Austausch mit seinen Osdorfer Mitspielern würde ihm aber „brutal fehlen“, betonte der Angreifer.
Im Internet treffen sich die TuS-Akteure zweimal pro Woche, um zumindest virtuell zusammen zu trainieren. „Zudem steht zweimal pro Woche ein Lauf an – aber wir sind ja keine Leichtathleten und die Arbeit auf dem Fußballplatz fehlt uns sehr“, betonte Wachter, der sich „eine schnelle Rückkehr in die Normalität“ wünschen würde und „sehnsüchtig auf die Erlaubnis wartet, auf den Platz zurückkehren zu dürfen“.
Wachters Entzugserscheinungen sind vermutlich noch größer als die seiner Mitspieler, da seine persönliche Pause deutlich länger ist. Denn aufgrund einer hartnäckigen Schambeinverletzung, die ihm im Frühjahr und Sommer 2020 zu schaffen machte, absolvierte er sein letztes Pflichtspiel vor genau einem Jahr, nämlich am 29. Februar 2020 (0:3 bei der TuS Dassendorf). „Im Frühjahr haben ich insofern davon profitiert, dass die Saison wegen der Corona-Krise abgebrochen wurde, weil ich deshalb kein Spiel verpasst habe“, blickt Wachter zurück.
Als die Osdorfer von Ende September bis Mitte Oktober 2020 zum Auftakt der Serie 2020/2021 immerhin fünf Partien absolvieren konnten, ehe es zur erneuten Corona-Unterbrechung kam, war der Angreifer aber noch nicht wieder soweit. Mittlerweile fühlt er sich einsatzfähig: „Ich habe viele Therapien absolviert und über 80 Termine wahrgenommen, um das in den Griff zu bekommen“, so der 28-Jährige, der hinzufügte: „Wahrscheinlich hätte ich jetzt aus dem Stand heraus nicht die Luft für 90 Minuten – aber nach zwei, drei Wochen normalem Mannschaftstraining wäre ich wieder topfit.“

„Nachträglich bin ich froh, dass ich nicht zu Altona gewechselt bin“

An der Schambeinverletzung scheiterte Anfang Juli 2020 auch Wachters Wechsel zu Altona 93, der schon perfekt schien, ehe Richard Golz, Sportlicher Leiter des Nord-Regionalligisten, wegen der Blessur kalte Füße bekam. Mit dem Abstand von acht Monaten kann der Angreifer „ganz gelassen“ über diesen geplatzten Transfer sprechen und stellte klar: „Ehrlich gesagt bin ich nachträglich betrachtet froh, dass ich nicht nach Altona gewechselt bin. Die Osdorfer haben mir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen, wieder fit zu werden – und ich habe gemerkt, wo ich hingehöre.“
Am Blomkamp gefalle ihm „das Familiäre im Verein“, in dem „jeder für jeden einstehen würde“. TuS-Trainer Philipp Obloch verfolge immer „den Plan, eine vernünftige Struktur im Team zu haben und guten Fußball zu spielen“, so Wachter, der als Zielsetzung für die nächsten Jahre vorgab: „Angesichts der finanziellen Möglichkeiten ist die Oberliga für Osdorf das, was maximal möglich ist. Wir wollen immer sicher die Klasse halten und möglichst nicht unten herumgurken, sondern die bestmögliche Platzierung erreichen.“
Ein Wechsel zu Altona 93 sei „ohnehin kein Thema mehr“, versicherte der Angreifer, der aber auch mögliche Anfragen anderer klassenhöherer Teams, wie etwa von den Regionalligisten FC Eintracht Norderstedt und FC Teutonia 05, „momentan definitiv ablehnen“ würde. Es sieht also aktuell nicht danach aus, dass Wachter in naher Zukunft einen Vereinswechsel vollziehen wird. (kw)

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