27 Jahre Vorsitzender von IF Stjernen Flensborg

Wie Ronald Weigelt zu “Chicken” wurde

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Ein IF Stjernen Flensborg ohne Ronald Weigelt als Vorsitzender ist für viele undenkbar. Seit 1996 leitet er die Geschicke des SdU-Clubs. Im nächsten Jahr soll damit aber Schluss sein. Wie er an die Brahmsstraße und zu seinem legendären Spitznamen kam, hat er uns im Gespräch verraten.

„Nach jetzigem Stand ist in 3,5 Monaten Schluss“, sagt Ronald Weigelt, den viele eher unter seinem Spitznamen „Chicken“ kennen. Nach 27 Jahren soll im Februar 2023 seine Amtszeit als längster Vorsitzender der fast 75-jährigen Vereinsgeschichte vom IF Stjernen Flensborg zu Ende gehen. Ein Abschied, der durch die Corona-Pandemie und umfassenden Umbau- und Modernisierungsarbeiten am Vereinsgebäude in der Brahmsstraße später kommt, als eigentlich geplant. „Wenn schon mal so viel Geld ins Gebäude versenkt wird, dann muss man diese Arbeit keinem neuen Vorsitzenden aufbürden“, so Weigelt, der 1975 erstmals Vereinsmitglied wurde.

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Geboren und aufgewachsen im Neuen Weg in Flensburg, nur wenige Gehminuten vom Engelsby-Centret entfernt, wundert es nicht, dass er sich damals der Fußball C-Jugend des SdU-Clubs anschloss. Nur für kurze Zeit wechselte der heute 62-jährige in der B-Jugend zum SV Adelby und spielte dort auch noch ein Jahr in der A-Jugend. „1978 bin ich mit 18 zurück zu Stjernen gekommen und habe unter anderem mit Michael Lenz, Frank Bebensee oder auch den Jordt-Zwillingen in der Herrenmannschaft in der Bezirksklasse gespielt, die heute mit der Verbandsliga zu vergleichen ist.“

Bis 1982 spielte Ronald Weigelt beim IF Stjernen Fußball, wechselte dann aber zum Handball. „Das Trainerteam war damals nicht so prickelnd und durch starke Neuzugänge hatte ich weniger Spielanteile bekommen. Bei Adelby spielte ich mit Freunden immer mal Handball und so hat es mich zum Handball gezogen.“

Seit 1996 im Amt

In den 90er Jahren spielte „Chicken“ ein Jahr in der Oberliga. „Mein Trainer war damals Shorty Linde“, erinnert er sich. Ganze fünf Jahre war das Handball-Urgestein sein Trainer. Bis 2010 war Weigelt noch aktiv in der 3. Mannschaft des Vereins und spielte in der Kreisliga. „Dann war aber auch gut, die meisten von uns waren schließlich schon um die 50.“ Schon damals war er der „Präsident“ vom IF Stjernen. „Während meiner Handballzeit wurde ich als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Damals war Viggo Petersen Vorsitzender, mit dem ich auch privat befreundet bin. Er bekam einen neuen Job angeboten und musste dadurch ein Jahr früher sein Amt als Vorsitzender abgeben.“

In fast 75 Jahren gab es nur fünf Vorsitzende

So kam es, dass Ronald Weigelt bereits 1996 das Amt übernahm. „Da ich sechs bis sieben Jahre schon im Vorstand war, wusste ich, was mich erwarten würde.“ Nicht aber, dass daraus 27 Jahre werden würden. „Auf keinen Fall, obwohl ich vorgewarnt war: vor mir war von 1953 bis 1978 schon Valdemar Albertsen 25 Jahre mein großer Vorreiter gewesen.“ In fast 75 Jahren gab es bislang nur fünf Vorsitzende“, berichtet Weigelt.

Und so ist er besonders stolz drauf, dass in all diesen Jahren der familiäre Charakter des Vereins erhalten blieb. „Wir haben ein gutes Zusammenleben hier und auch viele helfende Hände von Mitgliedern, die größtenteils gar kein Wahlamt inne haben.“ So wurde zum Beispiel der Hütten-Neubau 98/99 komplett in Eigenregie durchgeführt. „Das war eines meiner Steckenpferde, ebenso wie der notwendige Umbau des B-Platzes zum Schotterplatz 2006.“ Ein Höhepunkt war dann, als 2015 für ca. 380.000 Euro aus dem Sandplatz einer der ersten Kunstrasenplätze Flensburgs wurde.
Überhaupt hat „Chicken“ einige Veränderungen und technische Fortschritte miterlebt: „Als das Thema Homepage aufkam, haben wir damit nicht lange gewartet und für den Verein eine eingeführt.“

Wie er zu seinem Spitznamen kam

Auch das Stadionmagazin der Ligamannschaft entstand für einige Jahre in Heimarbeit bei ihm zu Hause. „Das habe ich gemacht, weil ich Spaß dran hatte, nicht weil es zu den Aufgaben eines Vorsitzenden gehört“, erinnert sich „Chicken“. Doch wie kam es eigentlich zu diesem Spitznamen? „Wir waren vom Handball aus oft im Sommer zu Feldturnieren in Dänemark zu Gast. Da habe ich die Leute 1982 mit einem Hahnenschrei geweckt“, grinst der Vorsitzende. „So ist das gekommen. Ich musste auch nicht jedes Jahr das Krähen wiederholen, der Name blieb einfach.“

Noch ist kein Nachfolger für Ronald Weigelt in Sicht, aber er wünscht sich, dass dieser ein eigenes Profil mitbringt und seinen eigenen Weg geht.
„Wir suchen keinen zweiten Chicken, sondern einen neuen Vorsitzenden“, zitiert er seinen
Kassenwart Andreas Hybsz. Außer Frage steht, dass er dem Vereinsleben und auch den Fussball-Veteranen erhalten bleibt. (msc)


Dieser Artikel erschien zuerst im TNS SPORTS Magazin Nr. 30 | November 2022
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