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Mit einem Ziel vor Augen

Ben Heyer – Leichtathlet ohne Nerven

Seit acht Jahren ist Ben Heyer (18) beim LK Weiche Flensburg. Wenn es bei Wettkämpfen dramatisch zugeht und Nerven wie Drahtseile gefordert sind, ist Ben nicht weit.

Mit Fußball kann Ben Heyer nicht viel anfangen, aber die Botschaft, die Manuel Neuer bei der Europameisterschaft mit seiner Kapitänsbinde in die Welt gesendet hat, unterstützt er. Schon seit geraumer Zeit findet sich auch an der Wettkampfkleidung des LK Weiche Athleten selbst die Regenbogenfarben wieder, sei es an seinem Armband oder den bunten Socken, für die der 18-jährige Taruper bekannt ist. Ein Markenzeichen, wie auch seine Haarfarbe, die er sich seit einem Trainingslager 2015 immer mal wieder färbt. „Mit schwarz habe ich angefangen. Dann waren sie auch mal blau, blond oder rot/weiß“, erinnert sich der Zehnkämpfer, dessen stärkste Disziplin der Hürdenlauf ist. Eine Lieblingsdisziplin hat Ben allerdings nicht. „Die machen alle Spaß“, lacht er. Nur den Hammerwurf meidet er, erklärt er schmunzelnd.

Wie Ben zum LK Weiche kam

Sportlich war er schon immer. Als Kind ist er beim Flensburger Schwimmklub (FSK) geschwommen, ehe er zum Triathlon übergegangen ist. „Vor acht Jahren hat mich dann meine Weltkunde-Lehrerin zu einem Leichtathletik Kreisvergleich mitgenommen“, erzählt Ben über seine Anfänge beim LK Weiche. Seine Lehrerin war zufällig Christine Dreier, die zusammen mit ihrem Ehemann Jan die Geschicke der Flensburger Leichtathletik-Szene leitet. „Das hat mir dann mehr Spaß gebracht, als Triathlon.“ Grund dafür ist auch die große LK Weiche Familie. Die Gemeinschaft, der Teamgeist und die Mischung aus Spaß und Leistung machen den Verein seiner Meinung nach aus. Hinzu kommt das intensive Training mit LK Weiche Chef Jan Dreier. „Das Training mit Jan ist immer lustig und macht viel Spaß. Vor allem ist er aber kompetent und dadurch ist es immer wieder sehr lehrreich“, betont Ben.

Ben Heyer. Foto: TNS Sports

Fünf Mal die Woche findet sich Ben zum Training ein und kommt auf rund neun Stunden Trainingszeit für sich. Dazu leitet er selbst noch das Jedermann-Training oder bereitet gestandene Führungskräfte auf den Firmenzehnkampf vor. Für Ben spielt es keine Rolle, wen er zum Training da hat. „Das macht für mich keinen Unterschied. Athlet ist Athlet“, sagt der 18-jährige selbstbewusst.

Keine Nerven: Ben macht Unmögliches möglich

Aktuell bereitet sich Ben Heyer auf die Deutsche Mehrkampfmeisterschaft im August vor. Es ist einer von rund zehn Wettkämpfen, an dem Ben über das Jahr verteilt teilnimmt. Und das mit reichlich Erfolg. Zuletzt wurde er vierfacher Landesmeister bei den Mehrkampfmeisterschaften in Lübeck.

In Erinnerung wird ihm auch sein Auftritt bei den gemeinsamen Landesmeisterschaften der Verbände Hamburg und Schleswig-Holstein der U20 bleiben. Plötzlich stand er hier als einziger Teilnehmer am Start der 110 Meter Hürden. Alle anderen Athleten zogen aus unterschiedlichsten Gründen zurück. Sein Ziel, die DM-Norm zu schaffen, standen somit unter keinen guten Vorzeichen. Sogar so schlecht, dass Trainer Jan Dreier an einen Verzicht dachte. „Ein schnelles Rennen über diese Strecke ist ohne Konkurrenz so gut wie unmöglich“, weiß Dreier. Doch wenn es einen Athleten gibt, der keine Nerven kennt und alles um sich herum ausblenden kann, dann ist es Ben Heyer. „Das war schon ein komisches Gefühl ganz alleine am Start zu stehen“, gibt Ben zu. „Aber ich kenne den Druck noch vom Schwimmen am Startblock. Auch beim Triathlon muss man immer die Nerven behalten. Scheinbar komme ich damit ganz gut klar“, grinst er.
Trotz aller Widrigkeiten und Gegenwind sprintete er in sensationellen 15,27 Sekunden zur DM-Norm.

Seine vielleicht größte Leistung

Schon vor genau einem Jahr stellte Ben seine Nervenstärke unter Beweis, als er zusammen mit seinem Trainer zu den Deutschen Meisterschaften nach Vaterstetten in Bayern reiste. Der Zehnkämpfer präsentierte sich zunächst in bestechender Form und begeisterte das Stadion mit mehreren persönlichen Bestleistungen. Nach dem ersten Wettkampftag lag Ben auf Rang 8 von 24 Athleten.
Am zweiten Tag ging es mit neuen Bestleistungen weiter, doch dann der Schock. Starkregen beeinträchtigte den Wettkampf, beim Diskus blieb der junge Athlet ohne gültigen Versuch. Der Traum von den Top 10 war geplatzt. Trotzdem stellte er sich noch dem 1500m-Lauf und zog durch ein unglaubliches Rennen die Aufmerksamkeit des gesamten Stadions auf sich. Trotz des Tiefschlags zuvor lief er hier die zweitbeste Zeit aller Mehrkämpfer. „Das war Bens größter sportlicher Erfolg bisher“, meint Dreier, während Ben zustimmend nickt.

Der große Traum: Teilnahme an der U23 Europameisterschaft

Ein weiterer großer Erfolg aus Sicht von Jan Dreier ist aber auch die Tatsache, dass Ben trotz seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten weiterhin dabei geblieben ist und mit Vollgas neue Rekorde jagt. „Ich habe auch nicht vor aufzuhören“, lacht Ben und kann damit seinen Trainer beruhigen, der weiß, was er an Ben hat.

Medaillen hat der sympathische Zehnkämpfer inzwischen reichlich gesammelt, einen großen Traum hat aber auch er noch: „In zwei beziehungsweise vier Jahren könnte ich bei der U23 Europameisterschaft teilnehmen. Das wäre schon richtig cool.“
Unmöglich erscheint sein Traum nicht, denn wenn Ben Heyer an den Start geht, ist er immer für eine Überraschung gut. Egal wie unmöglich die Aufgabe auch zu sein scheint. In der „Ben Heyer Show“ werden noch einige Kapitel zu schreiben sein. (msc) 


Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Printausgabe Juli/August 2021




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