Kolumne - Abpfiff

Ein Plädoyer für Auswechselspieler

veröffentlicht am

Abpfiff – Die Kolumne von Tomas Malz

Auswechselspieler, die : Sie kommen meistens in den letzten 20, 10 oder 5 Minuten eines Spiels in die Partie oder im Leistungsbereich manchmal überhaupt nicht zum Einsatz. Sie sind mit dabei, aber werden bei einem Sieg nicht gefeiert. Sie müssen trotzdem zum Training kommen oder lange Auswärtsfahrten auf sich nehmen. Sie sollen ein Teil der Mannschaft sein – dazu beitragen, ein Ziel zu erreichen. Auswechselspieler werden nach dem Spiel kaum wahrgenommen.

Ich habe beide Seiten kennen gelernt.
Zum einen Auswechselspieler zu sein
und zum anderen als Trainer mit diesen umzugehen.

Als Trainer ist es meines Erachtens wichtig, diese Spieler zu 100 % mitzunehmen. Sie wahrzunehmen als gleichwertige Teammitglieder. Im Rückblick als Trainer einer B Jugend SH-Liga Truppe habe ich damit viele Erfahrungen gemacht. Ich habe manchmal den Zeitpunkt verpasst, diesen Spielern die nötige Aufmerksamkeit zu geben. Für mich als Trainer sollte es die Aufgabe sein, Spieler aus dem zweiten Glied besser zu machen. Dafür bin ich der Trainer, der Defizite erkennen muss, um Spielern zu helfen, sie Stück für Stück für die Erstaufstellung aufzubauen und so immer mehr die Qual der Wahl zu haben, wer von Anfang an spielt. So kann ich als Trainer für meine Mannschaft im Laufe der Saison noch mehr Qualität auf den Platz bringen. Außerdem sollte ich in der Lage sein, mit den Bank-Spielern zu kommunizieren. Ich als Verantwortlicher für ein Team sollte erklären können, warum derjenige dort ist und was er an seiner Technik oder seinem Verhalten auf dem Platz verbessern kann. Meine Aufgabe ist es auch, ihn zu motivieren, um dranzubleiben, ihn zu jedem Zeitpunkt mitzunehmen mit meinen Gedanken und Ideen eines Spieles.

Was kann ich als Auswechselspieler besser machen?

Als Spieler ist es nicht einfach, ein Spiel von der Bank zu verfolgen. Es ist schwer, nicht in Selbstmitleid bzw. in Selbstzweifel zu verfallen. Eventuell sogar seinem Frust freien Lauf zu lassen und dadurch negative Energien in ein Team zu bringen. Die Kunst ist meiner Meinung nach zu reflektieren und zu überlegen, was ich als Auswechselspieler besser machen kann. Ich kann mir die Fragen stellen: Was kann ich heute von der Bank beitragen, um mein Team zu unterstützen, was kann ich beim Training anders machen oder sollte ich vielleicht extra Zeit aufwenden, um mich über das Training hinaus zu verbessern? Der Spieler entscheidet auch selbst, ob er die Zeit auf dem Platz nutzt, allen zu zeigen, was er kann und wenn es eben nur diese 20, 10 oder 5 Minuten sind.

Ehrlich mit den Spielern umgehen

Es gibt gerade im Fußball so viele gute Beispiele dafür, wie wichtig bestimmte Spielertypen für eine Mannschaft sind. Sei es für die Stimmung auf der Bank oder in der Kabine. Sie sorgen für positive Energien, die andere Spieler wieder zu Höchstleistungen bringen. Auch diese Spieler haben eine Verantwortung und das muss ich als Trainer immer wieder mit ihnen kommunizieren. Es gibt auch sehr viele Beispiele im Profibereich von Spielern, die genau diese kurze Zeit auf dem Feld nutzen, sich zu zeigen, um dann immer mehr in den Fokus zu rücken. Zurzeit ist es Mathys Tel vom FC Bayern München, der fast bei jeder seiner Einwechslungen ein Tor macht und damit seinen Marktwert mehr als verdoppelt hat. Oder aus der jüngsten Vergangenheit Nils Petersen vom FC Freiburg, der bei 105 Einwechslungen 83 Tore gemacht hat. Ich bin davon überzeugt, dass in jedem Spieler auf der Bank ein Talent schlummert. Gehe ich ehrlich mit diesen Spielern um und nehme mir Zeit als Coach, habe ich später viel mehr Alternativen und Möglichkeiten für meine Spielidee. Nehme ich als Spieler den Bankplatz als Motivation, noch mehr an mir zu arbeiten und bin ich bereit, extra Arbeit zu investieren, dann kann nur Positives für mich und mein Team dabei rausspringen. (tma)


Dieser Artikel erschien zuerst in der FLENSBURG SPORT Nr. 34 | November 2023
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